„Der Dom wird kein Hochsicherheitstrakt“


Köln –  

Drei Wochen nach dem durch die Femen-Aktivistin Josephine Witt ausgelösten Nackt-Skandal im Kölner Dom – wie groß ist der Schaden?

Feldhoff: Die Aktion sollte sich gegen die Kirche als Institution und gegen Kardinal Meisner als Exponent der Katholischen Kirche richten. Das war das Ziel, das niemand im Dom verstehen konnte. Schwer verletzt wurden die religiösen Gefühle der Gottesdienstbesucher. Das ist der eigentliche Schaden.

Was fordern Sie?

Ich erwarte Respekt vor anderen Glaubensüberzeugungen, vor allem beim Feiern der Gottesdienste – ob jüdischen, muslimischen oder christlichen. Was Josephine Witt gemacht hat, war gegenüber den Gläubigen grobe Intoleranz – ich würde sogar sagen, psychische Gewalt.

In der Berichterstattung ist die Aktion scharf kritisiert worden.

Richtig. Aber wir hatten schon in der Vergangenheit Nackte im Dom – wie zum Beispiel einen Mann während einer Priesterweihe. All diese Aktionen aber sind öffentlich kaum wahrgenommen worden – im Gegensatz zu dem Femen-Auftritt. Erst durch die Medien hat er sein Ziel erreicht.

Femen, Dom-Kletterer, Umweltaktivisten – haben solche Proteste grundsätzlich nichts im Dom verloren?

Wir leben in einem freien Land und jeder kann – ob bekleidet oder nackt – protestieren: Im Dom aber geht das überhaupt nicht. Er ist Ort des Gebets, erst recht bei einem Gottesdienst.

Solche Aktionen dienen nur dazu, den Dom mit seinem Super-Bekanntheitsgrad zu missbrauchen, um in die Nachrichten zu kommen. Unsere Pflicht ist es, dafür zu sorgen, dass der Gottesdienst so gefeiert werden kann, wie es der Würde einer Messe entspricht.

Sie selbst waren aber doch auch vorher über die Femen-Aktion informiert?

Ja, da gab es auch Kritik – nach dem Motto: Wir hätten nichts oder zu wenig getan. Das stimmt nicht. Ich habe erst einen Tag vor der Weihnachtsmesse die Mail lesen können und dann Polizei und Domschweizer informieren lassen – mit der Maßgabe: Stellt euch auf eine Protestaktion ein!

Und dennoch konnte die Aktion nicht verhindert werden?

Die E-Mail war unklar, es war offen, ob und wann etwas stattfindet. Womit wir überhaupt nicht rechnen konnten, ist die Tatsache, dass eine Halbnackte auf den Altar springt. Dieser skandalöse Auftritt war völlig neu im Dom – und natürlich nicht angekündigt.

Werden die Sicherheitsmaßnahmen jetzt verschärft?

Ja, daran arbeiten wir. Völlig klar aber ist, dass wir den Dom nicht zu einem Hochsicherheitstrakt ausbauen werden. Da unterscheidet sich sicher eine Messe im Dom von einem Spiel des 1. FC Köln gegen Fortuna Düsseldorf im Rheinenergie-Stadion.

Also auch nicht mehr Domschweizer vor dem Altar?

Nein. Aber wir verbessern die Schulungen der Domschweizer, die ja keine Sicherheitskräfte, sondern Ordnungskräfte sind. Sie werden von Fachleuten geschult, worauf sie künftig speziell achten müssen – auch mit den Erfahrungen aus der Femen-Aktion.

Und Sicherheitsschleusen?

Haben wir alles schon durchgespielt. Aber wollen wir ernsthaft Dombesucher wie auf dem Flughafen nach Metallgegenständen durchsuchen, wollen wir in den Taschen der Frauen nachgucken? Nein, das schließen wir völlig aus.

Können Domschweizer auffällige Personen vorbeugend ansprechen und ihnen einen Platzverweis erteilen?

Ja, das könnten sie.

Kannten Sie das Krawall-Potenzial von Femen im Vorfeld?

Ich konnte bis dahin mit Femen überhaupt nichts anfangen. Ich habe mich aber sofort informiert.

Genau wie Sie hatte der EXPRESS auch Vorabinformationen, dass es zu einer Aktion im Dom kommen könnte – das ist nichts Ungewöhnliches und kommt fast täglich vor.

Aber man sollte sich wenigstens im Nachhinein generelle medienethische Fragen stellen – wie die: Werden wir nicht selbst vor den Karren einer Aktion gespannt? Werden nicht auch wir instrumentalisiert? Die Erörterung solcher Fragen kann durch dieses Interview angeregt werden. Dafür bin ich dankbar.

In der Berichterstattung sind Fehler gemacht worden, auch von uns. Aber ist es nicht grundsätzlich Pflicht, über solche Dinge zu berichten?

Ich sage nicht, dass nicht berichtet werden darf. Aber hat eine solche Aktion es verdient, so öffentlich zu werden? Die katholische Kirche wird immer wieder kritisiert, damit können wir leben. Aber nicht damit, dass die Gefühle von Gottesdienstbesuchern auf so eklatante Art und Weise verletzt werden.

Sie haben Frau Witt angezeigt.

Ja, aber wir hätten sie gar nicht anzeigen müssen, das ist ein Offizialdelikt, das heißt eine Tat, die der Staatsanwalt ohnehin von Amts wegen verfolgen muss. Das muss juristisch aufgearbeitet werden. Wenn so etwas einfach hingenommen würde, würde das Schule machen.

Nicht in dem Sinne, dass jetzt alle möglichen Leute auf den Altar springen. Ich fürchte aber, dass sonst die Unruhe zunehmen wird, die letztlich eine Belastung für den Frieden in unserer Gesellschaft ist.

Christen – das betone ich noch einmal – haben wie alle anderen Religionsgemeinschaften das Recht, ihre Gottesdienste ungestört feiern zu können und die Würde ihrer Gotteshäuser respektiert zu sehen.

Via: express.de


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