Die Gruppe »Femen« weist Kritik an ihrer Aktion gegen Sexindustrie zurück

Am 25. Januar erzeugten zehn Aktivistinnen von »Femen« mit einem Fackelmarsch durch die Herbertstraße in Hamburg-St. Pauli einen atemberaubenden Medienrummel. Dabei zeigten die »Sextremistinnen«, wie sie sich selbst nennen, den Hitlergruß und hielten Schilder mit der Aufschrift »Sex-Sklaverei ist Faschismus« und »Prostitution ist Genozid« hoch. Auf ihren entblößten Oberkörpern waren Slogans wie »Nackter Krieg« zu lesen. An das Tor der berühmtesten Bordellstraße Europas pinselten sie die zynische Parole »Arbeit macht frei«. Damals hatten die Nazis die KZ-Insassen damit verhöhnt - heute verwendet »Femen« sie, um ihre Kernforderung zu promoten: »Die Sexindustrie kriminalisieren, und die Täter, Freier und Zuhälter zur Verantwortung ziehen.«

Diese Agenda dürfte bei vielen Feministinnen Anklang finden. Die Vermittlung hingegen stößt auf heftige Kritik - nicht nur wegen ihres vermeintlichen Busenfetischismus. Die »Gleichsetzung der Prostitution mit der Shoah« sei »wirklich nicht zu fassen und in keiner Weise tragbar«, schreibt die feministische Gruppe »e*vibes« aus Dresden auf der Internetplattform »Indymedia«. »Als würden Frauen gezielt und industriell zu Millionen ermordet, weil sie Frauen sind.« Die Gruppe meint nicht nur, die in der Ukraine entstandene neue Frauenbewegung würde den Faschismus, Genozid und Holocaust relativieren und verharmlosen. Sie unterstellt ihr sogar eine ideologische Nähe zu dem braunen Mob: »Wir wären nicht überrascht, euch am 13. Februar in Dresden zu sehen, mit euren Fackeln, Seite an Seite mit Alt- und Neonazis, in Gedenken an die vielen durch die Alliierten getöteten Frauen.«

»Femen« widerspricht dieser Darstellung. Die Begriffe »Holocaust« und »Shoah« seien nicht verwendet worden, erklären die Aktivistinnen gegenüber »nd«. »Dies sind Ausdrücke, die eigens für das an der jüdischen Bevölkerung begangene Verbrechen durch die Nationalsozialisten stehen, und das sollte auch so bleiben.« Mit der Erinnerung an Verbrechen gegen die Menschlichkeit auf aktuell stattfindende Verbrechen aufmerksam zu machen, sei jedoch »legitim«.

Irina Khanova, Mitgründerin von »Femen Germany«, die sich offensiv für ein NPD-Verbot ausspricht, findet die Vorwürfe »beleidigend und unverschämt«. Sie sieht im Frauenhandel eine »Analogie« zum KZ-System. »Die Opfer werden versklavt, verschleppt, vergewaltigt, in Ghettos eingesperrt und wie Fleisch verkauft.« Auch die häufig gegen »Femen« erhobenen Sexismus-Vorwürfe weist die 33-jährige Grafikdesignerin zurück. Unter dem Motto »Mein Körper, mein Manifest« wollten die Feministinnen die Verfügungsgewalt über ihre Körper, die von der Sexindustrie zur Ware verdinglicht würden, wieder zurückerobern: »Solange Frauen sich oben ohne in der Werbung oder in den Boulevardpresse zeigen, ist das okay«, prangert Khanova einen gesellschaftlichen Widerspruch an. »Sobald sie aber ihren eigenen Körper als Waffe für ihren politischen Protest einsetzen, werden sie angegriffen.«

Über ihre provokativen Thesen würde »Femen« mit ihren Kritikerinnen gern »face to face diskutieren«, sagt Khanova. Jedoch seien bislang alle Aufforderungen unbeantwortet geblieben. Auf Blogs wie »Mädchenmannschaft« würde ihre Organisation mit anonymen Anschuldigungen attackiert, ihre E-Mail-Accounts zugespamt. »Wir finden diesen Umgang kontraproduktiv«, meint Khanova. Feministinnen sollten sich nicht zerstreiten, sondern lieber gemeinsam kämpfen. Darunter versteht »Femen« vor allem eine Reanimierung und Demokratisierung der feministischen Praxis. Der Frauenprotest drohe in Theoriearbeit unterzugehen und existiere größtenteils nur noch virtuell im Internet. Femen will ihn wieder zurück auf die Straße tragen und »für alle Frauen zugänglich machen«.

Via: neues-deutschland.de


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