Femen ist nicht Michelangelo

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04. Dezember 2014 00:00 Uhr

Oben ohne

Für ihre barbusige Protestaktion auf dem Altar des Kölner Doms ist die Femen-Aktivistin Josephine Witt zu einer Geldstrafe von 1200 Euro verurteilt worden. Das Amtsgericht Köln befand sie der Störung der Religionsausübung für schuldig.


  1. So trat die Femen-Aktivistin im Kölner Dom auf. Foto: dpa

Diesmal ist sie angezogen, sogar ziemlich dick: Schal, Jacke, Kapuzenpulli. So erscheint Josephine Witt (21) am Mittwochmittag im Kölner Amtsgericht. Vergangene Weihnachten war sie ausgerechnet am 80. Geburtstag von Kardinal Joachim Meisner halb nackt auf den Altar des Kölner Doms gesprungen. Dafür muss sie sich nun verantworten.

Josephine Witt – den Namen hat sie sich ausgedacht, eigentlich heißt sie anders – ist eine selbstbewusste junge Frau. Dompropst Norbert Feldhoff, der Hausherr des Kölner Doms, hat ihr vorgeworfen, mit ihrer Aktion Kinder und Jugendliche reihenweise traumatisiert zu haben. "Davon höre ich zum ersten Mal", sagt sie kurz vor Prozessbeginn und lächelt souverän. "Das wäre das erste Mal, dass bei einer unserer Aktionen mit nackten Brüsten jemand traumatisiert worden wäre."

Richter Gerd Krämer betritt den Saal, ein gemütlicher Mann mit Schnäuzer. Die Frauenrechtsaktivistinnen haben das Verfahren mit dem Prozess gegen die Band Pussy Riot verglichen, die in Russland wegen eines Kirchenprotests inhaftiert worden war, doch die Assoziationen im Gerichtssaal sind andere. Krämer erkundigt sich, wie viel Bafög die Studentin der Zahnmedizin bekommt. Auffälligkeiten in ihrer Biografie gibt es keine. Nein, sie hat "keine Leichen im Keller", wie sie sagt. Dann verliest Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn die Anklage. Man hört noch einmal, wie sie "bis auf einen schwarzen Slip völlig unbekleidet" auf den Altar gesprungen ist, mit der Parole "I am god" (Ich bin Gott) auf den nackten Brüsten. "Wollen Sie dazu was sagen?", fragt der Richter. Ja, das möchte sie. Es sei wahr, dass sie auf dem Altar "topless agiert" habe. "Ich stand da, wie Gott mich schuf." Sie kann darin nichts Anstößiges erkennen, erinnert an die Fresken von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle: auch alles Nackte. "Selbst Jesus hängt ja halb nackt da." Ihre Motivation war politisch: Kardinal Meisner – inzwischen im Ruhestand – habe sich abfällig über Frauen geäußert, Abtreibung mit dem Holocaust verglichen.

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Oberstaatsanwalt Willuhn will die Angeklagte nicht in Bausch und Bogen verurteilen: "Grundsätzlich ist ja jeder froh, wenn es Personen gibt wie Sie, die sich Gedanken machen." Aber: "Es gibt Leute, für die ist das ein sehr heiliger Akt, der Weihnachtsgottesdienst im Kölner Dom." Ob sie es noch mal machen würde, fragen Reporter nach dem Urteil. "Ich fänd’s langweilig, diesen gleichen Protest noch einmal zu machen", sagt Witt. Sie hat vor Gericht viel von den Medien gesprochen, die bräuchten gute Bilder. Und vor allem immer wieder was Neues.

Autor: Christoph Driessen (dpa)

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