Neue, radikale Abspaltung von Femen gegründet

 

Reptiienfonds: Frau Holzbusch, wir wollten mit Ihnen sprechen, weil Sie Sprecherin einer neuen, radikalfeministischen Gruppe sind.

Holzbusch: Also das „radikal“, das sagen Sie jetzt. Aber man kann sagen: Wir sind Frauenrechtlerinnen durch und durch.

Nun tut sich ja in den letzten Jahren einiges in dieser Hinsicht. Wenn wir allein an #Aufschrei denken, oder den Slutwalk oder natürlich die Gruppe Femen.

Es ist kein Geheimnis, wenn ich sage, dass Femen auch der Ausgangspunkt unserer Gruppe war.

Wie kann man sich das vorstellen?

Sie wissen ja, dass Femen ihre entblößten Oberkörper zeigen, um bestimmte politische Anliegen in die Öffentlichkeit zu bringen. Wir sympathisieren natürlich mit dieser Idee, aber sie war uns nicht radikal genug.

Wie meinen Sie das?

Sehen Sie: Femen kann natürlich immer nur Augenblicks-Aktionen durchführen. Sie gehen an bestimmte „hot spots“ der öffentlichen Wahrnehmung und entblößen dort Ihre meist beschriebenen Oberkörper. Dann werden sie von Ordnungskräften beiseite geräumt und das war’s.

Aber die Proteste von Femen sind ja sehr erfolgreich. Wenn die klügsten Köpfe der Menschheit, wenn Tausende Menschen oder wenn einfach nur die selben Frauen für die selben Anliegen kämpfen würden, dann würde das kein Schwein interessieren. Aber so bekommen sie ihre Brüste auf hunderte Titelseiten.

Das ist natürlich gewissermaßen auch Marketing. Bei weitem nicht alle Aktionen von Femen sind so erfolgreich gelaufen, wie das in den Medien wahrgenommen wird.

Wieso? Putin, G8, Tunesien – ich könnte mich an keine Aktion erinnern, die nicht auf breites öffentliches Interesse gestoßen wäre.

Weil die erfolglosen Aktionen nicht wahrgenommen werden. Gerade erst in diesem Frühling hat Femen in Florida gegen die Sexualisierung der Jugendlichkeit bei den alljährlichen „Spring break“-Feierlichkeiten protestiert.

So? Davon habe ich nichts mitbekommen.

Natürlich nicht. Die Frauen zogen sich mitten auf einem so genannten Wet-T-Shirt-Contest ihre Hemden aus, auf denen gegen ein sexualisiertes Frauenbild protestierten.

Und was ist passiert?

Die Menge hat begeistert gejohlt und enthusiastisch geklatscht. Die Aktivistinnen wurden gefeiert und mit Bier übergossen. Das ist das Geschickte an Femen: Wenn es einmal in die Hose geht, merkt es niemand, dadurch wirkt die Gruppe nach außen immer erfolgreich.

Kennen Sie weitere solcher Beispiele?

Sicher erinnern Sie sich noch an den Protest der Aktivistinnen bei „Germany’s next Topmodel“? Viele wissen nicht, dass das bereits der vierte Versuch der Gruppe war, eine solche Veranstaltung zu stören.

Bei den anderen Veranstaltungen sind sie nicht auf die Bühne gekommen?

Im Gegenteil. In Belgien, in Polen und der Ukraine wurden die Aktivistinnen begeistert aufgenommen. „Dusch dich nur mal kurz“, hat die polnische Moderatorin gesagt und in der Ukraine hat eine Frau von Femen sogar gewonnen. Sie ist jetzt keine Aktivistin mehr, sondern Model.

Sie haben absolut recht, das alles war einer breiteren Öffentlichkeit bisher nicht bekannt.

Aber wir wollen uns gar nicht gegen Femen abgrenzen, schließlich sind sie unsere Schwestern und wir haben die gleichen Ziele. Dennoch wollen wir weitergehen, wir wollen nicht nur für den Moment wirken, sondern längerfristig, tiefgründig. Wir zielen nicht nur auf eine Schlagzeile, sondern wir wollen unseren Protest ins Herz der Gesellschaft tragen, gewissermaßen bis in die Wohnzimmer der Nation.

Wie muss man sich das vorstellen, ziehen Sie von Tür zu Tür, klingeln dort und entblößen ihren Oberkörper?

Sehen Sie, genau das wäre zu kurz gedacht. Nein, wir setzen eben nicht auf den schnellen Schockeffekt, sondern wir wollen langsam, aber gründlich die Gesellschaft infiltrieren.

Wie sieht das aus?

Beispielsweise, indem wir etwas kochen. Diese Form des zivilen Protest kennt man ja schon von den friedlichen Protesten Ghandis.

Das heißt, Sie gehen da hin und kochen?

Ja, oder wir backen etwas. Oder wir waschen die Dreckwäsche. Oder wir gestalten die Wohnungen um oder machen dort etwas sauber.

Aber was ist mit dem Sexualprotest à la Femen? Zeigen Sie irgendwann auch Ihre Brüste.

(lacht) Ruhig Blut! Das machen wir auch. Aber wir gehen noch weiter. Wir schlafen sogar mit den Männern, so wie bei den Love-Ins der 70er Jahre.

Sie kochen, sie backen, sie machen sauber, sie haben Sex mit den Männern – was noch?

Wir unterschreiben mit ihnen Bausparverträge, um sie komplett an uns zu binden, wir lassen uns sogar schwängern und ziehen die Kinder auf. Aus unserer Sicht ist das eine besonders effektive Art des Protests, weil man so auch die Jugend erreicht.

Gibt es denn dann überhaupt noch eine Grenze, etwas, das sie nicht machen würden?

Wir denken, dass uns direkter Widerspruch gegen die Männer nicht zum Ziel führen wird, daher halten wir davon nichts.

Aber wie finden Sie denn überhaupt Frauen, die bereit sind, sich auf diese Art des Protestes einzulassen? Das ist ja gewissermaßen Guerilla-Kampf.

Sie wären überrascht, wie viele Frauen bereit sind, mit uns für die Sache einzustehen. Ich darf hier natürlich keine meine Schwestern auffliegen lassen, aber ich kann Ihnen verraten, dass unser Einfluss gerade auch auf der Ebene von Politik und Wirtschaft bis ganz nach oben geht. Ganz! nach oben.

Bis auf die Ebene von Staatssekretären?

Ich sagte ja schon: Mehr darf ich nicht sagen.

Zum Abschluss nur die Frage: Wie heißt Ihre Bewegung oder dürfen Sie das auch nicht beantworten?

Doch. Wir sind Momen – Frauen für Veränderung.

Ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

Via: blogs.taz.de


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The mission of the "FEMEN" movement is to create the most favourable conditions for the young women to join up into a social group with the general idea of the mutual support and social responsibility, helping to reveal the talents of each member of the movement.

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