Oben ohne gegen Heidi Klums Barbie-Welt

Ein kleiner Augenblick hätte die schöne Glitzerwelt von ProSieben beinahe zerstört: Ausgerechnet in einem besonders dramatischen Entscheidungs-Moment stürmen zwei barbusige Aktivistinnen der Feministen-Gruppe "Femen" auf den Laufsteg. Nur Sekundenbruchteile sind sie zu sehen, die Security schreitet ein – und ProSieben schaltet schnell auf eine andere Kamera.

Die Aktivistinnen tragen den Slogan "Heidi Horror Picture Show" auf ihren blanken Oberkörpern. "Ich habe gerade Busen vor mir gesehen", sagt Heidi Klum etwas perplex – und ganz traurig hinterher: "Ausgerechnet in diesem Moment." Frauenrechtlerinnen wie an diesem Donnerstagabend in der Mannheimer SAP-Arena hat es bei diesem Wettbewerb noch nie gegeben.

Schließlich wird dort niemand geringeres gekürt als "Germany's next Topmodel". Und die Siegerin ist die zweite große Überraschung des Abends: Es ist die Hamburgerin Lovelyn. Die 16-jährige "Baby-Beyonce" macht also das Rennen, gewinnt Cover-Foto und Werbevertrag, hat mit einem Mal ihren Traum erreicht.

Trauriger Schlusspunkt einer erwartbaren Staffel

In einem fürchterlich hölzernen Finale setzte sie sich gegen drei Konkurrentinnen durch, ließ am Ende die 19-jährige Maike hinter sich. Der – vom Femen-Auftritt abgesehen - einzig überraschende Moment der Sendung: Favoritin Luise schied schon als Drittplatzierte aus und musste noch vor Maike die Bühne verlassen.

So war das Konfetti, das zum Schluss der Show auf die Schultern der Siegerin rieselte, auch schon das glamouröseste an diesem Finale, das den traurigen Schlusspunkt hinter eine durch und durch erwartbare Staffel setzte. Nach zweieinhalb Stunden Laufsteg-Hype stand fest: Früher war mehr Lametta. Und ja, es gibt durchaus problematische Facetten an der Show, die Feministinnen auf den Plan rufen können.

Dabei war der Show-Auftakt in der mit kreischenden Mädchen vollbesetzten SAP-Arena in Mannheim durchaus spektakulär: Mit einem Hubschrauber flogen Heidi Klum und ihre Jury-Kollegen Thomas Hayo und Enrique Badelescu in die Halle ein, landeten direkt auf der Bühne. An den filmreifen Start schloss sich aber eine Modenschau an, wie sie in jedem kleinstädtischen Einkaufszentrum hätte stattfinden können.

Models auf Stelzen, in kantigen Spiegelkleidern, im Kampf mit Windmaschinen: Heidi Klum setzte auf Effekte, die so unvorteilhaft wirkten wie ihr rosafarbenes Reißverschlusskleid: Grell, aber irgendwie sehr Neunziger. Dazu ein paar spektakulär unspektakuläre Musikeinlagen – echter Glamour war das nun wahrlich nicht.

Nackte Haut und Emotionen

Wie immer setzte die Show vor allem auf zwei Erfolgsrezepte: Viel nackte Haut und große Emotionen. Mit wippenden blanken Pobacken stakste da die ausgeschiedene Luise in die Arme ihrer wartenden Familie und man wollte ihr am liebsten ein Handtuch zuwerfen, damit ihr wenigstens diese Entblößung erspart bliebe.

Ganz so nackig machte sich die spätere Siegerin da nicht. Sie sollte – so hatte es Heidi Klum mit viel Pathos angekündigt – ein paar persönliche Worte an das Publikum richten. Es hätte ein kurzer, echter Moment werden können: Im roséfarbenen Kleid kam Lovelyn auf die Bühne geschwebt, schritt elfenhaft in Richtung Mikrofon. Eine gewöhnliche 16-Jährige wäre spätestens dort rot angelaufen, hätte vielleicht etwas gestottert und gelacht. Lovelyn dagegen stand mit eiserner Miene da um völlig emotionslos in den Saal zu rufen: "Hallo Mannheim! Whooo!"

Hallo Mannheim?! Selbst der Kantige Roboter, der da eben noch neben diesem Mädchen über die Bühne gestakst war, strahlte mehr Wärme aus als diese zierliche Gestalt, die dort der Halle stand und unbeholfen ein paar Sätze vom Teleprompter ablas.

Hölzerne Worte von unbedingtem Willen, von 100 Prozent und einem Traum, der jetzt Wirklichkeit werden könnte. Immerhin Drill-Mutti Klum war begeistert von ihrem Schützling, attestierte der gut dressierten Kandidatin gar "Natürlichkeit", die sie sich immer bewahrt habe. Hallo Mannheim.

Das Bein bitte noch lasziver strecken

Man muss keine Feministin sein, um das, was Heidi Klum dort mit jungen Mädchen auf großer Bühne veranstaltet, gruselig zu finden:16-Jährige, die beim Burlesque tanzen dazu aufgefordert werden, noch ein bisschen lasziver ihre langen Beine über den Badewannenrand zu strecken und sich besonders "sexy" auf der Couch zu räkeln.

18- und 19-Jährige, die mit starrer, überschminkter Miene über den Laufsteg schreiten und sich nur durch die Haarfarbe unterscheiden – selbst widerspenstige Locken werden hier auf Linie gebracht. Vier verschiedene Elemente sollten die Finalistinnen in extra angefertigten Kleidern symbolisieren: Nie war Wasser so wenig erfrischend, Feuer so wenig gefährlich, Erde so keimfrei und Luft so dünn.

So bleibt nun vom Topmodelfinale für ein paar Wochen eine Lovelyn an den Kiosken liegen, die uns traurig von der Cosmopolitan anlächelt. Und natürlich die Erkenntnis, dass auch das schnelle Eingreifen von ProSieben den Protest der Aktivistinnen von "Femen" nicht unterdrücken konnte.

Heidi Klum macht das Victory Zeichen am 10.07.2004 in Hamburg (Archivfoto). Das Supermodel wird jetzt ihre eigene Reality Show moderieren. Die Sendung hei   t   Project Runway   und ist am 01.12.2004 zum ersten Mal zu sehen. Im Mittelpunkt stehen zw  lf junge aufstrebende Modemacher.   Wir wollen zeigen was es bedeutet ein Designer zu sein. Ich glaube dass die Leute wirklich daran interessiert sind zu sehen wie das alles funktioniert. Wir suchen jemanden der Talent hat und nicht den witzigsten oder wer am besten aussieht wird Klum in US Berichten am Dienstag (30.11.2004) zitiert.  Foto: Ulrich Perrey dpa    (c) dpa   Bildfunk    klumbiga

Die Geldmaschine Heidi Klum

Ganz schön nervig: Heidi Klum beschert ihrem Sender zwar enorme Einschaltquoten, ihre Stimme finden viele Zuschauer aber oft nervig: Ich habe heute leider kein Foto für dich!

Nervige Stimmen im TV- und Show-Geschäft

Via: welt.de


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