Salafist droht Femen-Aktivistin mit Steinigung

Tunesien

24. März 2013 17:12 Uhr,
B.Z.
| Aktualisiert 17:12

Amina (19) protestierte nackt gegen Unterdrückung und wurde wohl eingewiesen. Salafist fordert Steinigung.


Die Seite des tunesischen Femen-Protests hat binnen eines Monats tausende Likes

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Die Seite des tunesischen Femen-Protests hat binnen eines Monats tausende Likes


Foto: web


Die Botschaft ist eindeutig: "Scheiß auf Eure Moral". Mit breiten, schwarzen Linien prangt der Schriftzug auf der nackten Brust der Studentin. Die 19-jährige Amina aus Tunesien nutzt ihre Nacktheit zum Protest gegen die Unterdrückung von Frauen in ihrem Land.

Damit ist Amina die erste Femen-Aktivistin in Tunesien. Jetzt soll sie dafür bestraft werden - der Kontakt zur Femen-Gründerin Inna Shevchenko in der Ukraine ist abgebrochen; Amina soll in eine psychatrische Klinik eingeliefert worden sein und ein bekannter salafistischer Prediger fordert ihren Tod durch Steinigung.

Tausende Fürsprecher, Hunderte starker Gegner

Amina will etwas in ihrem Land bewegen. Deshalb war sie eine der Mitbegründerinnen der Facebook-Seite des tunesischen Femen-Protests. Auf einem der Bilder ist sie mit einer Zigarette in der einen und einem Buch in der anderen Hand zu sehen. Sie trägt knallroten Lippenstift, schaut nicht in die Kamera. Auf ihrem nackten Busen steht in arabischer Schrift: "Mein Körper gehört mir und ist nicht die Quelle eines jeden Ehre."

Am 1. März ist die Seite online gegangen. Nach nicht einmal einem Monat hat sie schon fast 10.000 "Gefällt mir"-Angaben. Viele Frauen haben aus Solidarität die Kleider weggelegt: "Hilfe für Amina" oder "Freiheit" schreiben sie dazu. Die Unterstützung kommt aus der ganzen Welt - von Mexiko bis Neuseeland. Hunderte Male werden die Fotos und Statements geliked und geteilt.

Gleichzeitig posten jedoch dutzende Nutzer Hundehaufen-Fotos und beschimpfen die Frauen als Huren. Das Schlimme: Die Gegner bleiben nicht nur im World Wide Web: Die Auswirkungen ihres Protests sind nun direkt bei Amina angekommen.

Seit Ende Februar bis vor etwa einer Woche stand die Tunesierin im ständigen Kontakt mit Femen-Gründern Inna Shevchenko. Dann sei Amina aber plötzlich verschwunden, sagte Shevchenko am Freitag der US-Zeitschrift "The Atlantic". Ihr Telefon sei ausgeschaltet und die Facebookseite gehackt worden.

Tod durch Steinigung gefordert

Die Femen-Gründerin habe ein Video von der Tante Aminas erhalten, hieß es weiter. Die Vewandte teilte Shevchenko mit, dass ihre Nichte jetzt bei deren Familie sei. Und weiter: "Sie wollte sich umbringen und hat daher die Nacktfoto auf Facebook gepostet." Laut Shevchenko ist das eine typische Reaktion im Umgang mit Frauen, die Freiheit forden: "Sie behaupten einfach, dass sie verrückt ist." Aminas Eltern sollen ihre Tochter in eine psychiatrische Klinik eingewiesen haben.

Das Verschwinden Aminas ist wohl eine Folge ihres Auftritts in der Talkshow "Labes" im tunesischen Fernsehen am 16. März. Dort wurde ihr Gesicht zwar unkenntlich gemacht, doch sie blieb offenbar nicht unerkannt.

Zudem forderte der salafistische Priester Almi Adel drakonische Strafen für die 19-Jährige: "Die junge Frau soll nach den Regeln der Scharia bestraft werden. Mit 80 bis 100 Peitschenhieben", soll er der tunesischen Zeitung "Kapitalis" gesagt haben. "Aber aufgrund der Schwere ihres Vergehens verdient sie die Todesstrafe durch Steinigung." Der Salafist halte es des Weiteren für notwendig, die junge Frau zu isolieren - sonst könnten auch andere Frauen auf die Idee kommen sich aus Protestgründen zu entkleiden. Laut tunesischen Medien drohten Amina in jedem Fall mindestens zwei Jahre Haft.

Freiheit für Amina

Femen-Frau Shevchenko macht nun mobil. Auf ihrer Website fordert sie Frauen zur Unterstützung von Amina auf. Sie sollten sich ausziehen und ihren Körper als Form des Protestes nutzen. Die Femen-Gründerin plant außerdem selbst, nach Tunesien zu reisen.

Daneben hat eine Bloggerin dazu aufgerufen, am 4. April den internationalen Tag zur Verteidigung Aminas stattfinden zu lassen. Auch die Petitions-Plattform change.org sammelt Unterschriften für eine Freilassung Aminas.

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Via: bz-berlin.de


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