Ballons und Brüste statt Pflastersteine und Tränengas

29. Januar 2012, 16:53, NZZ Online

Protest gegen WEF war friedlich, originell und aufsehenerregend

Eine ukrainische Femen-Aktivisten protestiert auf ihre Art gegen das WEF. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Nicht nur die Armee ist mit ihrem Einsatz am WEF zufrieden, auch die Protestbewegung zieht eine positive Bilanz. Das Iglu-Camp in Davos sei mehr als bloss ein Disneyland gewesen, sagen die Verantwortlichen.

(sda) Juso-Präsident David Roth, der das Iglu-Camp von Occupy WEF mit organisiert hat, zieht nach einer Woche in Davos eine durchwegs positive Bilanz. «Wir haben mit dem Camp einen sehr starken Gegenpol gesetzt zum WEF», sagte er am Sonntag. Das Iglu-Dorf sei mehr als bloss ein Disneyland gewesen. «Ich glaube, es ist uns gut gelungen, unsere Botschaft zu vermitteln», sagte Roth.

Dafür haben in erster Linie ausländische TV-Sender und internationale Nachrichtenagenturen gesorgt. Fernsehstationen aus aller Welt berichteten über Tage hinweg aus dem Occupy-Camp. Wo immer das Häuflein Aktivistinnen und Aktivisten Ballons aufsteigen liess oder Einlass ins Kongresszentrum verlangte, waren die Kameras dabei. «Wir tun den ganzen Tag nichts anderes, als Interviews geben», sagte ein Medienverantwortlicher im Camp.

Aber nicht nur die Bilder, auch die Botschaften von Occupy WEF gingen um die Welt. Nachrichtenagenturen verbreiteten deren Manifeste jeweils praktisch im Wortlaut, und Stunden später fanden sich die Erklärungen der WEF-Gegner auf Hunderten von News-Seiten rund um den Globus. Das hatte auch Roth nicht unbedingt erwartet: «Es hat mich überrascht, wie unverfälscht die das verbreitet haben.»

Kein Monopol auf Proteste

Dass die Kameras am Samstag einen kurzen Moment lang auf die barbusigen Aktivistinnen von Femen umgeschwenkt sind, stört den Juso- Präsidenten keineswegs. Wir haben ja schliesslich kein Monopol auf Proteste, sagte er.

Roth erinnert daran, dass es Occupy WEF nicht darum gegangen sei, das WEF in Davos zu verhindern. Die Bewegung wolle vielmehr aufzeigen, was am WEF passiere. «Wir wollen nicht die Elite ändern. Wir wollen den anderen Leuten zeigen, dass es Alternativen gibt.»

Zufrieden mit dem Protest gegen das WEF zeigten sich auch die Bündner Behörden, zumal zwei Kundgebungen in Davos friedlich verlaufen waren. Möglich gemacht hatte dies in erster Linie der Davoser Gemeindeammann Hans Peter Michel, der versuchte, für das WEF, aber auch für die Gegner ein guter Gastgeber zu sein.



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