Inhaftierte Deutsche in Tunesien: "Damit hat sie nicht gerechnet"

Hamburg/Tunis - Die deutsche Femen-Aktivistin, die in Tunesien inhaftiert ist, teilt sich ihre Zelle mit 29 anderen Frauen. Das berichtete der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, nach einem Besuch im Gefängnis SPIEGEL ONLINE.

Löning, der wegen anderer Termine in Tunesien ist, konnte rund eine Stunde lang mit der 19-Jährigen sprechen. Josephine Witt wurde nach einem Oben-ohne-Protest in Tunis Ende Mai verhaftet und ebenso wie zwei französischen Mitstreiterinnen zu einer Haftstrafe von vier Monaten verurteilt.

Die drei Femen-Aktivistinnen teilen sich die Zelle im Frauengefängnis in Manouba bei Tunis mit 27 weiteren Gefangenen. "Sie hat einen gefassten Eindruck gemacht. Sie scheint eine starke junge Frau zu sein", sagte Löning nach dem Gespräch. Gleichzeitig sei Witt, die über ihrer Kleidung ein tunesisches Gewand getragen habe, "immer noch völlig überrascht von der Strafe, damit hat sie nicht gerechnet", so der FDP-Politiker.

Das Treffen zwischen Löning und Witt fand im Zimmer der Gefängnisdirektorin statt. Löning beschrieb die Atmosphäre als freundlich. "Ich besuche viele Gefängnisse, und ich habe schon schlimmere gesehen."

Im Gefängnis selbst gab es offenbar keinen zusätzlichen Ärger wegen der Aktion. Löning berichtete: "Sie sagte, sie werde sehr gut von den Mitgefangenen behandelt."

Der Protest im Rahmen ihres sogenannten "Oben-ohne-Dschihad" hatte in Tunesien für Verstörung gesorgt. Islamisten drängten als Nebenkläger ins Verfahren. Aber auch tunesische Feministinnen verbaten sich solche Aktionen. Die Oppositionschefin sagte: "Femen, bitte lasst uns in Ruhe!"

Hoffen auf das Berufungsverfahren

Über die Aktion, die sie in Haft gebracht habe, sprach Witt nun mit Löning. Dabei habe sie gesagt, sie habe mit dem Protest niemandes Gefühle verletzen, sondern lediglich einer bereits inhaftierten tunesischen Aktivistin helfen wollen.

Witt kann bislang nach Angaben Lönings nicht nach Deutschland telefonieren. Die Botschaft vor Ort setze sich aber dafür ein, dass das möglich werde.

Löning ist in Tunis, um den deutschen Beitritt zur Freedom Online Coalition zu verkünden, die den Schutz der Menschenrechte im Internet fördern will. Die Femen-Aktion selbst wollte Löning nicht beurteilen. Er sagte jedoch: "Die Strafe ist unverhältnismäßig."

Die inhaftierte Femen-Aktivistin hofft nun auf das Berufungsverfahren. Dabei könnte die Strafe abgemildert werden, was in Tunesien nicht unüblich ist. Ein Termin für die Berufung steht allerdings noch nicht fest.

Via: spiegel.de


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