Nackte Brüste gegen das "Fleischfest"

Nun attackiert der Femen-Aktivismus auch schon die deutsche Spaßzwangkultur. Und zwar zur besten Sendezeit. Am Donnerstagabend stürmten zwei Frauen in der Mannheimer Arena den Laufsteg der TV-Show „Germany's Next Topmodel“ mit nackten Oberkörpern, auf denen geschrieben stand: „Heidi Horror Picture Show“ und „Heidi hates you“ (nach anderen Augenzeugen „Sadistic show“).

Die beiden wurden von der Bühne gezerrt, der TV-Sender Pro7 schaltete schnell auf eine andere Kamera, sodass die Aktion im Fernsehen nur sehr kurz zu sehen war. Moderatorin Heidi Klum reagierte mit der erstaunten Feststellung: „Ich habe gerade Busen vor mir gesehen“ und dem leicht traurig timbrierten Nachsatz „Ausgerechnet in diesem Moment“. Vielleicht meinte sie damit, dass soeben die Kandidatin Luise ausgeschieden war, die sich beim „Nacktshooting in Hawaii“ zunächst ein wenig gesträubt hatte. Denn selbstverständlich steht Nacktheit bei „Germany's Next Topmodel“ auf dem Trainingsprogramm. Aber eben genau dann, wenn es Dompteuse und Auftraggeber verlangen.

Denn diese 2006 begonnene Realityshow, deren achte Staffel nun zu Ende gegangen ist, hat nie verborgen, dass sie vor allem auch eine Disziplinierungsanstalt ist. Wobei vielleicht die wichtigste Disziplin der Imperativ ist: Du sollst Spaß haben! „Hast du Spaß?“ fragt Klum ihre Lehrlinge wieder und wieder, es klingt streng.

Genau diese Art von Spaß, die man wohl mit Theodor Adorno ein Stahlbad nennen darf, meinte die heurige Siegerin, Lovelyn Enebechi aus Hamburg, als sie noch vor dem Sieg ihre Einstellung erklärte: „Ich habe immer gestrahlt. Von A bis Z habe ich alles mitgemacht mit meinen 16 Jahren.“

Dagegen das Bekenntnis ihrer um drei Jahre älteren Konkurrentin Maike van Grieken aus Köln: „Ich habe ein Aussehen, ich habe einen echt starken Charakter, ich bin fotogen.“ Sie kam auf Platz zwei.

Auf der Facebook-Seite von Femen wird „Germany's Next Topmodel“ als „brutales Fleischfest aus Kotze, Blut und Tränen“ bezeichnet, die Sendung zwinge den Kandidatinnen ein „widerliches Körperbild“ auf, dessentwegen viele Zuseherinnen „an todbringender Bulimie und Anorexie leiden“. tk

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.06.2013)

Via: diepresse.com


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