Vor wem hat Draghi hier Angst?

Gerade als Mario Draghi sich anschickte, über Anleihekaufprogramme und die verbesserte Wirtschaftslage zu sprechen, kam es gestern an der Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt zu einem Zwischenfall: Eine junge Frau sprang auf das Podium, bewarf den EZB-Präsidenten mit Papierblättern und Konfetti und rief auf Englisch: «Stoppt die EZB-Diktatur!» Draghi hob abwehrend die Hände, die Augen vor Schreck aufgerissen, dann wurde er von Securitys aus dem Raum gebracht und die Unruhestifterin abgeführt. Nach einer kurzen Pause kehrte ein schmunzelnder Draghi ans Rednerpult zurück und führte die Konferenz weiter.

Der Konfetti-Protest auf dem EZB-Rednerpult in Frankfurt. (Video: Reuters)

Nach Angaben der Frankfurter Polizei handelte es sich bei der jungen Frau um eine 21-Jährige aus Hamburg. Deutsche Medien identifizierten sie als Josephine Markmann, bekannt unter dem Nachnamen Witt. Berichte, wonach es eine Aktion der ukrainischen Frauenrechtsgruppe Femen war, dementierte die junge Aktivistin auf Twitter.

Der jungen Frau gelang es offenbar, die strengen Sicherheitsvorkehrungen in der Frankfurter EZB-Zentrale zu umgehen und in den Presseraum zu gelangen. Die deutsche Zeitung «Bild» schreibt mit Berufung auf eine EZB-Pressesprecherin, Witt habe sich als Journalistin ausgewiesen und einen gültigen Personalausweis vorgelegt. Beim Röntgen hätten sich auch keine Hinweise auf eine Waffe ergeben. Die EZB sehe daher keine Versäumnisse bei den Sicherheitskontrollen. Gegenüber der britischen Zeitung «The Daily Telegraph» sagte Witt, sie habe angegeben, für das Jugendmagazin «Vice» zu arbeiten, weil sie wusste, dass dort viele junge Reporter angestellt seien.

Witt selber meinte nach ihrer Aktion auf Twitter, der Sicherheitsdienst der Zentralbank sei ebenso gut wie derjenige von Putin.

Die 21-Jährige ist offenbar keine Anfängerin in Sachen medienwirksame Protestaktionen: So soll sich Witt gemäss «Bild» im April 2013 an einer Demonstration gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin bei der Hannover Messe beteiligt haben. Mehrere Femen-Aktivistinnen sprangen damals oben ohne Putin und der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel in den Weg.

Ein Nackt-Protest gegen die Inhaftierung einer Aktivistin in Tunesien brachte Witt im Sommer 2013 zudem vier Wochen in ein Gefängnis in Tunis. Ende des gleichen Jahres sprang sie im Kölner Dom bei der Weihnachtsmesse auf den Altar, auf ihrem nackten Oberkörper stand der Spruch «I am God». Die Aktion, die sie im Namen der Femen-Protestgruppe machte, sorgte für viel Kritik. Gegenüber dem «Spiegel» sagte Witt damals: «Wir sind nicht da, um gefeiert zu werden, wir sind da, um Aktionen zu machen, um die Leute zum Nachdenken zu bringen.» Sie fügte an: «Wir haben genug kreative Ideen für neue Proteste.»

Ob die Konfetti-Attacke auf Mario Draghi in Frankfurt rechtliche Folgen für die 21-Jährige hat, ist übrigens noch nicht klar: Die EZB könne nun entscheiden, ob sie Anzeige erstatten wolle oder nicht, liess die Frankfurter Polizei verlauten. (thu)

(Erstellt: 16.04.2015, 11:12 Uhr)

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Via: derbund.ch


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