Frankreich: Femen-Aktivistin wird zur Marianne

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17. Juli 2013

Unterm Strich

Warum Frankreichs Konservative in einer Briefmarke eine Herabwürdigung der Grande Nation sehen / Von Axel Veiel.

Sie ist allgegenwärtig. Ihr Antlitz ziert Münzen und Marken. In Bronze gegossen blickt sie auf Straßen herab. Und was das Faszinierendste ist: Marianne, die Frankreich verkörpernde Freiheitsheldin, zeigt sich immer anders. Eugène Delacroix hat sie anders gemalt als seine weniger berühmten Nachfolger. Für Rathausbüsten standen Filmstars wie Brigitte Bardot, Catherine Deneuve oder Sophie Marceau Modell. Aber auch wenn Marianne immer anders daherkommt, sie verkörpert Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, sie eint die Nation. Bis Montag zumindest.

Am Dienstag ist um ihr jüngstes Abbild nämlich heftiger Streit entbrannt. Auf den am gleichen Tag erschienenen Marianne-Briefmarken prangt es. Der Zeichner Olivier Ciappa und sein Kollege David Kawena hatten für den Entwurf Lob eingeheimst. Ermutigt durch den Zuspruch, gab Ciappa Einblick in den Schaffensprozess, twitterte, wer ihn inspiriert hatte: die Ukrainerin Inna Schewtschenko, Gründerin der barbusig demonstrierenden Frauenrechtsgruppe Femen und seit zehn Tagen in Frankreich anerkannte Asylantin. Eine ukrainische Feministin als Sinnbild der Nation? Das kann, das darf nicht sein, sagte sich die Christdemokratische Partei. Sie prangerte eine "Herabwürdigung der Frau und Frankreichs" an und rief auf zum Briefmarkenboykott. Ciappa hielt dagegen. Marianne, die in der Revolution mit entblößter Brust auf die Barrikaden gegangen sei, wäre heute eine Femen-Frau, versicherte er. Beschwichtigend schob er nach, zwei Französinnen hätten ebenfalls Pate gestanden: die frühere Gesundheitsministerin Roselyne Bachelot und die heutige Justizministerin Christine Taubira. Politisch korrekt klang das. Die Rechtsbürgerliche Bachelot verkörpert das konservative, die Sozialistin Taubira das fortschrittliche Frankreich. Und da die Justizministerin aus Guyana stammt, ist auch noch der ethnischen Vielfalt Rechnung getragen.

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Frieden ist aber nicht eingekehrt. Mit dem Hinweis, die Französin Taubira sei als Vorkämpferin der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare eine Freiheitskämpferin par excellence, hat der Zeichner den Streit weiter angefacht. Gegner der Homo-Ehe machen mobil. Sie wollen nicht hinnehmen, dass der vergeblich bekämpften Reform Briefmarken folgen, die ihr huldigen. Die Post ist jetzt gefordert. Sie muss daran erinnern, dass es im freien Frankreich andere Marken gibt und jeder seine Briefe frankieren kann, wie er will.

Autor: av

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